ETB schlägt sich selbst
Dreißig Minuten lang hatte alles nach einem perfekten Saisonstart für den ETB ausgesehen. Die Mannschaft von Björn Matzel war dem Aufsteiger SV Scherpenberg klar überlegen und führte verdient mit 2:0. Lukas Kawabe hatte bereits in der dritten Minute einen Sololauf durch die Mitte zum ersten Treffer genutzt, Florian Berisha aus der Drehung den zweiten besorgt, nachdem kurz zuvor Aaron Oteng-Appiah die Unterlatte getroffen hatte. Dann foulte ein Scherpenberger im Niemandsland, ein Rudel entstand, der bereits wegen Meckerns verwarnte Tim Kaminski stieß seinen Kontrahenten um - Rot. Selbst wenn Schiedsrichterin Christina Junkers hier nur Gelb zückt, beendet der ETB das Spiel ohne jede Not zu zehnt. In Unterzahl agierte Essen vorerst nur noch defensiv. Wenige Minuten vor der Pause spielte Slone Matondo, der eine sehr gute Premiere für Schwarz-Weiß hinlegte, einen Kopfballrückpass, nur befand sich Torwart Phil Lenuweit nicht dort, wo Matondo ihn vermutete. Anstatt wenigstens das 2:1 mit in die Kabine zu nehmen, rückte Schwarz-Weiß plötzlich weit nach vorne, ein fataler Fehlpass Richtung Luca Pinke, und schon stand es 2:2.
Kurz nach der Pause düpierte Ömer Akbel Thorben Kern, Phil Lenuweit stand schon wieder unkonventionell, doch das Leder strich am leeren Tor vorbei. Wie aus dem Nichts startete Slone Matondo Mitte der zweiten Halbzeit einen dynamischen Lauf von der Rechtsverteidigerposition quer durch das Mittelfeld, bediente den gerade eingewechselten Ilyas Khattari, dem ein Traumtor ins rechte Eck gelang. Schiedsrichterin Junkers konnte zu diesem Zeitpunkt bereits genauso schlecht sehen wie die offiziell 300 Zuschauer - das Flutlicht der Anlage in Asberg funktionierte nur auf einer Seite - und trug Innenverteidiger Thorben Kern (#23 statt #20) als Torschützen ein, was der Schreiber dieser Zeilen für ausgeschlossen hält.
Essen verteidigte nun gut mit fünf, manchmal sechs Mann auf einer Linie, zwang Scherpenberg zu halbhohen, ungefährlichen Bällen. Zehn Minuten vor Schluss probierte es abermals Khattari, diesmal auf Vorlage von Kern, und Kenan Mehmedović musste sich ganz lang machen, um das 2:4 zu verhindern. In der Schlussphase fanden die Gastgeber doch noch die Tiefe in ihrem Spiel, Justus Becker in seiner ersten Aktion konnte eine Flanke von Gabriel Deriks nicht verhindern, Dario Gerling sprang etwas höher als Robin Urban, und vom Pfosten trudelte der Ball zum Ausgleich ins Netz. In der Nachspielzeit kombinierte sich Scherpenberg flach von rechts zum 4:3 (den Torschützen müsste der Blog genauso raten wir Frau Junkers), und per Konter glückte dem Aufsteiger das 5:3. Vorbei war das Spiel damit jedoch noch nicht, denn auch Linksverteidiger Valon Zhushi holte sich durch eine Unbeherrschtheit noch einen Platzverweis ab.
Null Punkte, zwei Platzverweise, sechs Gelbe Karten. Der ETB hat sich beim SV Scherpenberg eindrucksvoll selbst geschlagen. Von Trainer und Kapitän sollte man freilich erwarten dürfen, in einem solchen Spiel mäßigend auf die Mannschaft einzuwirken. Stattdessen nur Lamentieren und Reklamieren. Gegner Scheiße, Schiedsrichter Scheiße, Flutlicht Scheiße. Vielleicht sollte man die hier auch noch zum Uhlenkrug holen.
Scherpenberg: Mehmedović - Kapuscinski, Saiti, Abel (56.' Becker), Bu. Arslanboğa (84.' Gerling) - Meurs (59.' Jemaiel), Karaca, Werner, Fuhrmann (55.' Derikx) - Akbel, Ba. Arslanboğa.
ETB SW: Lenuweit - Matondo, Kaminski, Kern, Zhushi - Theocharis (56.' Khattari), Pinke (73.' Scholl), Lucas, Oteng-Appiah (86.' Becker) - Berisha (33.' Urban), Kawabe.
Tore: 0:1 (3.') Kawabe, 0:2 (20.') Berisha, 1:2 (40.'/ ET) Matondo, 2:2 (44.') Ba. Arslanboğa/ 2:3 (64.') Khattari, 3:3 (86.') Gerling, 4:3 (90.'+1) Karaca, 5:3 (90.'+3) Jemaiel.
Rote Karte: Kaminski (30.'/ Tätlichkeit)
Gelb-Rote Karte: Zhushi (90.'+4/ Unsportlichkeit)
Schiedsrichterin: Christina Junkers (SG Kaarst)
Zuschauer: 300 |